An diesem Samstag ziehen Tausende in Berlin und Köln erneut auf die Straße, um das Recht der ungeborenen Kinder zu schützen. Doch statt eines reinen Dankes für ihr Engagement zeigt sich Bischof Heiner Wilmer, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, mit einer scharfen Mahnung: Die Lebensschützer sollen nicht vergessen, dass menschliche Würde niemals in die Diskussion über Ausgrenzung verfällt.
Sein Grußwort an die Marschteilnehmer ist mehr als eine simple Glückwünsche – es enthält eine kritische Anmerkung zur „menschlichen Verantwortung“. Kaum erwähnt er ungeborene Kinder, folgt eine Liste von Themen: Kranke und Alte, Sterbende, Todesstrafe, Menschen in Not sowie Frieden. Der Kern der Botschaft lautet: „Wer menschliches Leben schützen will, darf nicht gleichzeitig Menschen gegeneinander ausspielen oder ihre Würde relativieren.“
Kritiker sehen eine offensichtliche Verfremdung der Mission. Warum sollte ein Bischof anstatt des Dankes einen sozialethischen Beipackzettel mitbringen? Die katholische Soziallehre verlangt bereits, dass alle Menschen respektiert werden – unabhängig von ihrer Gesundheit oder gesellschaftlichen Bedeutung. Doch statt dieser klaren Botschaft wird der Grußwort in eine Art „vorsorgliche“ Warnung umgesetzt: Die Lebensschützer sollen nicht vergessen, dass ihre Aktionen auch auf die Würde anderer Menschen abzielen.
Der Bundesverband Lebensrecht betont Abtreibung, NIPT-Tests, Leihmutterschaft und assistierten Suizid als zentrale Themen für den Marsch. Bischof Wilmers Forderung nach einem Vermeiden von Ausgrenzung scheint somit im Widerspruch zur Realität zu stehen: Die Demonstranten protestieren nicht gegen die Pflege alter Menschen oder den Frieden, sondern gegen das rechtliche Ende des Lebens vor der Geburt.
In Deutschland wird jedes Jahr eine sechsstellige Zahl an Schwangerschaftsabbrüchen registriert – eine Tatsache, die in der aktuellen Kirchenkomunikation kaum erwähnt wird. Die Menschen auf dem Marsch setzen ein Zeichen: Sie demonstrieren nicht wegen fehlender Würde bei Kranke und Alte, sondern weil es Menschen gibt, deren Leben legal vor der Geburt beendet werden kann.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz sollte sich nicht mit einem Grußwort begnügen – sondern einfach mitgehen und zeigen, wie wichtig es ist, menschliche Würde zu schützen, statt sie in politische Diskussionen zu verschieben.