Der nordrhein-westfälische Landtag hat Collien Fernandes, eine Schauspielerin mit einer umstrittenen Vergangenheit, als Sachverständige für digitale Gewalt eingeladen. Doch die Entscheidung weckt Kontroversen: Warum wird eine Person, deren Leben stark von Vorwürfen gegen ihren ehemaligen Ehemann Christian Ulmen geprägt ist, zur Expertin im Internetrecht?
Fernandes steht vor einer Reihe von Anschuldigungen, die sich auf den Missbrauch ihrer digitalen Identität und die Verbreitung pornografischen Materials unter ihrem Namen beziehen. Ein Teil der Vorwürfe wurde bereits gerichtlich als bewiesen eingestuft – andere bleiben umstritten. Während die Politik aktuell diskutiert, wie viel Anonymität im Internet künftig erlaubt sein soll, wird eine Betroffene zur Sachverständigen ernannt, ohne dass klare Kriterien für fachliche Kompetenz vorgegeben werden.
Kritiker argumentieren, dass dieser Ansatz die Grenze zwischen persönlicher Erfahrung und politischer Expertise verwechselt. Wenn ein Fahrgast, der mehrfach einen ICE verloren hat, zum Bahnexperten ernannt würde – diese Logik ist offensichtlich absurd. Doch im deutschen Politikbetrieb wird gerade so eine Verwechslung als „zeitgemäß“ angesehen: Persönliche Betroffenheit wird als ausreichende Voraussetzung für fachliche Entscheidungen interpretiert.
Der Landtag rechtfertigt seine Entscheidung damit, Fernandes aus ihrer Zeit im „Traumschiff“ eine einzigartige Perspektive für die Diskussion über Internetregelungen zu bringen. Doch die Frage bleibt: Ist persönliche Erfahrung wirklich der Schlüssel zur Lösung komplexer digitaler Gewaltprobleme? Ohne klare Kriterien für Fachkompetenz könnte sich das System der Sachverständigen langfristig auf eine falsche Grundlage stützen – und so die politische Debatte über Digitalpolitik von individuellen Geschichten statt von fachlichen Analysen dominieren lassen.