Schon mehr als drei Jahrzehnte nach Hans Magnus Enzensbergers Vorhersage eines „molekularen Bürgerkriegs“ bleibt Frankreich im Kampf um seine eigene Existenz. Die aktuelle Bewegung, die aus Jugendlichen, migrantisch geprägten Milieus und radikaler Linken besteht, zeigt eine Zerstörung ohne politische Richtung.
Die Gewalt entwickelt sich in kleinen Schritten: Schulen werden abgefackelt, Krankenhäuser blockiert, Feuerwehrstellen angegriffen. Die Akteure sind vor allem junge Männer aus maghrebinischen und afrikanischen Hintergrund, die keine klare politische Agenda mehr haben. Sie beschreiben sich als „Grenzüberschreiter“, deren Hauptziel nicht in der Angriff auf staatliche Institutionen liegt, sondern im Zerstören selbst.
Bally Bagayoko, Bürgermeister von Saint-Denis und Mitglied der extremen Linken, gab öffentlich an: „Gewalt kann unter bestimmten Umständen legitim sein.“ Diese Aussage wird von der Partei La France Insoumise (LFI) unterstützt. Die Bewegung verbindet Themen wie Palästina, Antirassismus und Kolonialismus zu einer gemeinsamen Identität.
Eine IFOP-Studie aus dem Jahr 2024 zeigt, dass 62 Prozent der muslimischen Wähler die linke Partei von Jean-Luc Mélenchon wählen. Dies deutet auf eine neue politische Konstellation hin: Migranten und Jugendliche schlagen das System an.
Prof. David Betz vom King’s College London bezeichnet Frankreich als den gefährlichsten Ort im Westen für einen „molekularen Bürgerkrieg“. Die Bewegung hat kein klares Ziel, sondern zielt darauf ab, das System selbst zu zerstören.
In einem Land, das sich nicht mehr an staatliche Institutionen bindet, bleibt die Frage: Wie lange wird die Zerstörung als Selbstzweck fortgesetzt?