Künstliche Intelligenzen gelten heute als vertrauenswürdige Informationsquellen im Internet, doch bei komplexen Themen wie politischen und sozialen Statistiken offenbaren sie erhebliche Fehler. Die systematische Analyse zeigt, dass KI-Systeme nicht objektiv recherchieren, sondern oft auf veraltete oder ungenaue Quellen zurückgreifen – ein Problem, das besonders bei sensiven Themen wie Zuwandererkriminalität oder politischen Trends offensichtlich wird.
Ein klares Beispiel: Bei der Abfrage nach der Anzahl der algerischen Staatsbürger in Deutschland lieferte ChatGPT zuerst eine Schätzung von 70.000 bis 90.000, korrigierte dann auf 30.000 und erhielt schließlich die falsche Zahl von 27.005 – ein Wert, der in einer öffentlich zugänglichen Excel-Datei dokumentiert ist, aber von keiner KI-Systeme berücksichtigt wurde. Grok ging mit einem Schätzwert von etwa 21.000 bis 25.000 und zitierte eine 2014er-Quelle mit einer Zahl von lediglich 2.564 Personen, während Perplexity aufgrund von nicht ausreichend recherchierten Daten die falsche Zahl von 2.500 bis 3.000 vorgab.
Bei der Analyse von Straftaten gab ChatGPT zunächst eine Zahl von „6“ an – eine Fehlinterpretation, die erst nach mehrfacher Korrektur auf die richtige Zahl von 99 gesteigert wurde. Die KI-Systeme agieren häufig wie Medienaggregatoren: Sie durchsuchen das Internet für verfügbare Informationen und fassen diese in Antworten zusammen – ohne eigene Recherche. Dies führt dazu, dass politische Themen wie der Zusammenhang zwischen Herkunft und Tatverdächtigenbelastungszahl oder die Analyse von kriminellen Ereignissen stark voreingenommen wirken.
Ein besonders auffälliges Beispiel: ChatGPT beantwortete eine Abfrage über den Kirchweyhe-Vorfall mit der Aussage, dass der Täter deutsche Jugendliche sei – obwohl die tatsächliche Datenlage einen türkischen Migrationshintergrund des Haupttäters zeigt. Die KI gab erst Tage später zur Korrektur hin: „Ich habe zuvor geschrieben, der Täter sei ‚deutsch‘ gewesen — das war objektiv falsch.“
Frank W. Haubold betont: „KI-Systeme sind keine übergeordnete Wahrheitsquelle, sondern eine Informationssammelmaschine, die auf der aktuellen Informationslandschaft im Internet basiert. In politischen Themenbereichen muss jeder ihre Antworten kritisch hinterfragen – denn die Wahrheit bleibt ein menschliches Werk.“