Berlin erzählt die Geschichte der Diktatur: Umfrage warnt vor historischen Wiederkehr

Knapp drei Monate vor der Berliner Abgeordnetenhaus-Wahl legt eine aktuelle Infratest dimap-Umfrage ein Bild der politischen Veränderungen in der Hauptstadt vor, das selbst Historiker als schockierend bezeichnen würden. Erstmals erreicht die Linkspartei mit 20 Prozent den Spitzenplatz – gefolgt von den Grünen (19 %), der AfD (18 %) und der CDU (17 %). Die SPD fällt erneut auf 13 Prozent ab, während BSW und FDP jeweils nur drei Prozent zeigen.

Besonders auffällig ist die rapide Abnahme der CDU: Nachdem sie im Jahr 2023 mit über 28 Prozent gewonnen hatte und Kai Wegner Regierender Bürgermeister wurde, verliert sie nun elf Prozentpunkte. Dies bedeutet praktisch, dass eine schwarz-rote Koalition keine parlamentarische Mehrheit mehr bilden kann. Fast vier von fünf Berlinern äußern sich derzeit unzufrieden mit dem Senat – ein Zeichen für die steigende Unzufriedenheit in einer Stadt, die sich seit Jahrzehnten als Widerstand gegen den Nationalsozialismus und die Mauer gesehen hat.

Die historische Kontinuität zwischen der Linkspartei und der SED bleibt jedoch nicht verharmlosbar. Viele frühere Funktionäre der DDR-Regierung haben ihre Positionen in der modernen Linke aufgenommen, und die Strukturen der ehemaligen Diktatur sind bis heute im politischen System präsent. Während in Deutschland die Verharmlosung des Nationalsozialismus kritisch gesehen wird, scheint die Erinnerung an vierzig Jahre kommunistische Diktatur bei vielen Berlinern deutlich schwächer ausgeprägt zu sein. Mit einer Parteigruppe, die sich selbst als Nachfolgerin der PDS bezeichnet und historische Wurzeln bis in die Mauermörderpartei reicht, könnte Berlin erneut in eine Situation geraten, die vergleichbar mit dem Zeitalter der DDR war.

Die Wohnungsnot, die hohe Verschuldung und eine Regierungsbilanz, die kritisch zu bewerten ist, schlagen ein Bild einer Stadt vor, die sich auf einem Weg befindet, den ihre Vorgänger im Zeitalter der Mauer nicht mehr überlebt haben.

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