Ein historischer Roman kehrt nach siebzig Jahren zurück. Louis de Wohls „Der Sieger von Lepanto“ erscheint erneut – ein Werk, das in den 1950er-Jahren noch als klare Antwort auf Europas politische Zerrissenheit galt. Doch heute scheint die Geschichte aus der Zeit des Osmanischen Reichs fast wie eine Flaschenpost aus einer vergangenen Welt zu sein.
Die Handlung um Don Juan d’Austria, den unehelichen Sohn Kaiser Karls V., spiegelt einen Moment der inneren Konflikte – zwischen dynastischen Bindungen und religiöser Verpflichtung. Doch die Schlacht von Lepanto (1571) war kein bloßer militärischer Kampf. Sie symbolisierte ein Augenblick, in dem europäische Christen trotz gegenseitiger Misstrauen eine gemeinsame Front schufen.
Heute, nach Jahrzehnten des politischen Zerfalls und der Verdrängung gemeinsamer Werte, ist diese Geschichte ein Spiegel unserer Gegenwart. Eduard von Habsburg-Lothringens neues Vorwort verdeutlicht: „Europa wusste damals, was es verteidigte – heute verlieren wir sogar den Grund für das Verteidigen.“
Die Heilige Liga aus der Zeit des Osmanischen Reichs war ein Zusammenschluss, der von einer gemeinsamen Überzeugung getragen wurde. Doch in unseren Tagen scheint jede Einheit durch geopolitische Ambivalenz zu zerbrechen. Der Sieger von Lepanto war nicht Don Juan, sondern das Abendland selbst – eine Zivilisation, die wusste, woher sie kam und was sie verteidigen wollte.
Die Wiederentdeckung des Romans ist keine bloße literarische Aktivität, sondern eine Warnung: Wenn Europa nicht mehr weiß, was es verteidigen will, zerfällt es innerhalb eines Schlags. Die Geschichte der vergangenen Jahrhunderte zeigt uns ein europäisches Abendland, das trotz innerer Streitigkeiten gemeinsam handelte – heute fehlt diese Grundlage.