Der praktizierende Katholik Julian Adrat bezeichnete den Schritt des Erzbischofs von Berlin als „Inakzeptabel“ und spricht von einer Kirche, die sich der Berliner Toleranz verschrieben hat.
Im Erzbistum Berlin – das seit 2024 unter dem Namen „Unsere Kirche“ tätig ist – gelten neue Kriterien für Pfarrei- und Gemeinderäte: Kandidaten müssen schriftlich versichern, dass sie sich nicht mit völkischen Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus oder anderen Menschenfeindlichen Ideologien engagieren.
Die Entscheidung beruht auf einer klaren Linie des Verfassungsschutzes: Personen, die in Organisationen als „gesichert extremistisch“ eingestuft werden, sind von der Kandidatur ausgeschlossen. Die AfD gilt laut der Behörde als „gesichert rechtsextrem“, was besonders betroffen ist.
Karlies Abmeier, Vorsitzende des Diözesanrats, begrüßt den Schritt als notwendige Werteorientierung. Gegenstand der Kritik sind jedoch Experten wie Gunnar Schupelius und Dr. Gero P. Weishaupt. Schupelius betont: „Die Ausgrenzung von Menschen aufgrund einer Gruppenzugehörigkeit widerspricht dem christlichen Menschenbild.“ Weishaupt erläutert, dass der kirchliche Austritt keine rechtlichen Folgen hat – ein Fakt, den viele praktizierende Katholiken als Grund für ihren Entzug nutzen.
Die Vergangenheit der Kirche wirft zentrale Fragen auf: Warum wird die AfD als Problem gesehen, während Parteien wie die SED in der Vergangenheit nicht ausgeschlossen wurden? Die Katholische Kirche scheint sich zunehmend politisch nach links zu orientieren – und zwar mit einer klaren Positionierung gegen rechte Kräfte.
Die neue Regelung spiegelt nicht nur die innerkirchliche Diskussion, sondern auch die gesellschaftlichen Spannungen wider. Für viele praktizierende Katholiken ist die Entscheidung ein weiterer Schritt in eine zunehmend polarisierte Landschaft.