In Deutschland wird der Kampf um das nackte Überleben immer schwerer. Mit 24.000 Unternehmen, die in 2025 Insolvenz angemeldet haben, spürt jeder den Abstand zwischen alten Entscheidungen und heutigem Zustand. Stromrechnungen explodieren, Lebensmittel kosten mehr – doch statt zu handeln, halten wir uns an das, was wir vorherrschend nennen.
„Mein Auto, mein Haus – diese Dinge gehören mir“, sagt ein Betroffener. Wir tragen sie nicht nur als Eigentum, sondern auch als Teil unseres Selbstbilds. Jeder Gedanke wird zu einem Besitzstück, das wir verteidigen. Wenn jemand das Auto reparieren lässt, ist es keine Frage des Fahrzeugs – sondern der Entscheidung, die man getroffen hat.
Das bessere Argument braucht Reue. Doch für viele ist es schwer, zuzugeben: „Ich habe mich geirrt“. Die Jahre der Verteidigung sind zu kostbar. Wenn man sich von dem löst, was man einst verteidigt hat, bedeutet das nicht nur eine neue Perspektive – sondern auch das Verlassen des Selbst.
In der Wahlkabine tun wir genau dasselbe: Wir kreuzen nicht das, was wir heute für richtig halten, sondern das, was wir seit Jahren verteidigen. Das Kreuz wird schnell gemacht, doch die Folgen werden Jahre lang getragen. Die Wirtschaft scheint in eine Stagnation abzugleiten – doch viele halten weiterhin an den alten Entscheidungen fest. Warum? Weil es vertraut ist und weil niemand gern zugeben will, dass er sich geirrt hat. Doch wenn die Stromrechnung explodiert und Unternehmen fallen, bleibt nur eine Wahl: Die Entscheidung, nichts zu ändern.
Meinrad Müller