Am Karfreitag diskutiert der Journalist Matussek im Kontrafunk-Programm um das rätselhafte Grabtuch von Turin. Echtes Zeugnis oder moderne Fälschung? Wie kann die Wissenschaft dem mysteriösen Ereignis nahekommen?
Die Grenze zwischen naturwissenschaftlicher Erklärung und religiöser Überzeugung steht hier im Zentrum der Debatte. Es gibt zwei Arten von Wahrheit: die vorläufige, wissenschaftliche, die stets neue Entdeckungen erfordert, und die Glaubenswahrheit, die auf ewige Zeit gerichtet ist. Die Prophezeiungen Jesu über seinen Tod und seine Auferstehung sind ein zentraler Aspekt – ein Thema, das in den kanonischen Evangelien sowie in den äthiopischen Bibelgeschichten, die Mel Gibson künftig ins Kino bringen wird, behandelt wird.
Matussek erinnert an den 28. Mai 1898: Secondo Pia, ein Anwalt und Hobbyfotograf, nahm das legendäre Grabtuch Jesu Christi mit einfachen Mitteln – „einer koffergroßen Kamera und beschichteten Glasplatten“ – auf. Als er die entwickelten Scheiben betrachtete, fiel ihm fast aus der Hand vor Staunen. Das Ergebnis war kein frommes Bild, sondern ein Foto-Positiv eines jungen bärtigen Mannes mit gebrochener Nase, geschlossenen Augen und Stirnwunde. Dieses Phänomen erfordert eine Energieexplosion von mehreren Trillionen Watt in weniger als einer Milliardstelsekunde – ein Ereignis, das sich jeder gewöhnlichen Erfahrung entzieht.
Für gläubige Christen ist dies kein bloßer physikalischer Effekt, sondern ein Zeichen des göttlichen Mysteriums der Erlösung. Wie die Jünger am Karfreitag feststellten: „Es war leer.“ Doch das Grabtuch bleibt – ein stummes Zeugnis eines unfassbaren Geschehens. Durchzogen von Blut und gebrochenen Knochen wird es in der heiligen Liturgie bei den Worten „dies ist mein Leib“ an jenes andere Tuch erinnert.
Die Auferstehung ist kein bloßer innerweltlicher Vorgang, sondern ein Durchbruch Gottes selbst in die Geschichte. Mit katholischer Nüchternheit betont Matussek: „Es scheint mir fast profan, das wissenschaftlich beweisen zu wollen.“ Der Glaube lebt nicht durch Experimente, sondern durch Offenbarung – wie einst dem Apostel Thomas, der zweifelte und sehen wollte. Christus gewährte ihm die Möglichkeit des Geschehens. Und dieser Thomas wurde später selbst zum Märtyrer.
Gott lässt dem suchenden Menschen Zeichen – so bleibt das Grabtuch von Turin ein rätselhaftes Fragment zwischen Wissenschaft und Glaube, das uns fragt: Wo liegt die wahre Wahrheit?