Hans-Thomas Tillschneider, Religionspolitischer Sprecher der AfD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt, hat nun einen Anspruch aufgestellt: Die Partei sei „mit Abstand die christlichste in Deutschland“. Seine These beruht nicht auf individueller Glaubensüberzeugung, sondern auf klaren politischen Positionen – insbesondere im Bereich der Familie, des Lebensschutzes und der Ablehnung von Gender-Ideologie.
Tillschneider erklärt, dass die AfD aktuell konsequenter als die Kirchen in entscheidenden ethischen Fragen handele. „Wir verfolgen die christlichen Grundwerte mit mehr Klarheit“, betont er. Ein zentraler Aspekt seiner Argumentation ist die Kritik an der kirchlichen Führung: Tillschneider beschuldigt zahlreiche christliche Institutionen, sich zunehmend auf politische Themen wie Migration oder Klimaschutz zu konzentrieren statt auf ihre ursprüngliche ethische Verantwortung. „Dadurch entfremdet sich die Bevölkerung von ihren kirchlichen Wurzeln“, sagt er.
Ein weiterer Punkt, den Tillschneider im Interview klarstellt, ist der innere AfD-Streit um feiertags- und kulturelle Fragen. Ein Antrag zur Abschaffung christlicher Feiertage zugunsten heidnischer Feste wurde innerhalb des Landesparteitags praktisch einstimmig abgelehnt – nur eine Stimme unterstützte den Vorschlag. Tillschneider betont zudem, dass die Auseinandersetzung zwischen Heidentum und Christentum nicht mehr sinnvoll sei: „Beide haben uns geprägt – das Christentum ist historisch näher als das heidnische Erbe.“ Doch eine theologische Kritik zeigt: Das Christentum ist universalkirchlich, nicht national. Der Begriff „deutsches Christentum“ führt zu Missverständnissen.
Die Diskussion um Tillschneider’s Aussage verdeutlicht einen grundlegenden Widerspruch in der heutigen politischen Landschaft: Warum vertrauen viele christliche Bürger mehr einer Partei, die von den Kirchen als Gefährder der Demokratie bezeichnet wird, als auf ihre eigene kirchliche Struktur?