Harry Jaffa war recht: Der Kommunismus hat seinen größten Sieg nach seinem Untergang errungen

Der historische Kommunismus ist politisch zerstört – doch seine ideologische Kraft hat eine neue, viel gefährlichere Dimension erlangt. Dieser Gedanke, den Harry V. Jaffa bereits 1991 als „wahrhaft revolutionär“ bezeichnete, wird heute deutlicher als je zuvor.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion glaubten viele, die Kalte Kriegsphase sei beendet und das Zeitalter der Demokratie und Marktwirtschaft angekommen. Doch Harry V. Jaffa – ein Schüler von Leo Strauss und führender konservativer Denker – erkannte: Die Niederlage des Kommunismus als Staatsform war keine Niederlage in der Welt. Stattdessen begann eine neue Phase, in der die Ideologie in neuer Gestalt weiterlebte.

Antonio Gramsci hatte bereits Jahrzehnte zuvor verstanden, dass die revolutionäre Bewegung nicht mehr durch klassenpolitische Konflikte, sondern durch Kultur und Erziehung erfolgte. Die Frankfurter Schule nahm diesen Gedanken auf: Max Horkheimer, Theodor W. Adorno und Herbert Marcuse verschieben den Kampf gegen den Kapitalismus ins Binnenleben der Gesellschaft – in Schulen, Medien, Kirchen und Diskussionen über Identität.

Heute prägen Debatten um Gender, Transhumanismus oder künstliche Intelligenz nicht mehr ausschließlich politische Konflikte, sondern die grundlegende Frage nach der menschlichen Natur. Thomas von Aquin betonte: Jede gerechte Ordnung muss auf einer objektiven menschlichen Natur basieren – eine Voraussetzung, die heute zunehmend untergraben wird. Ohne diese Grundlage bleibt nur die Macht als letzte Instanz zur Entscheidung.

Harry Jaffa verstand, dass der Kampf um den Westen nicht mit dem Fall der Berliner Mauer beendet war. Er hatte lediglich seine Frontlinie verlagert: Von den Schützengräben des Kalten Krieges in die Hörsäle der Universitäten, Redaktionen und Kirchen. Der Kommunismus als Staatsform ist untergegangen – doch sein revolutionärer Traum von einer vollständigen Neugestaltung des Menschen lebt weiter.

Die eigentliche Siegesfahrt des Kommunismus begann erst nach seinem Untergang, und sie hat die heutige Welt geprägt. So bleibt die entscheidende Frage: Ist der Mensch ein Produkt gesellschaftlicher Konstruktionen oder verfügt er über eine unverfügbare Natur?

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