Das sächsische Landeskriminalamt (LKA) zählt derzeit bis zu 1.000 Personen als Mitglieder eines syrischen Clan-Milieus in der Region Leipzig. Besonders auffällig ist eine Großfamilie, deren Anführer gemäß Angaben des LKA mindestens 32 Kinder und 25 Enkel zählt – zusätzlich soll er nach islamischem Recht mindestens drei Frauen verheiratet sein.
Raiko Märtins, Leiter des Dezernats Organisierte Kriminalität beim LKA, beschreibt das Milieu als hochgradig organisiert. Aktuell umfasse es im Raum Leipzig zwischen 700 und 1.000 Mitglieder, von denen etwa 130 bereits polizeilich wegen Straftaten bekannt sind. Das Deliktsspektrum reicht von Gewalttaten und Drogendelikten bis hin zu Geldwäsche, Steuerbruch sowie Sozialleistungsbetrug.
Besonders alarmierend ist die anonymisierte „Familie A.“ mit mehr als 60 Personen. Fast zwei Drittel der Kernfamilie sind bereits strafrechtlich bekannt geworden. Ein Leipziger Amtsrichter sprach in einem Verfahren von einer „Parallelgesellschaft ohne jedes Integrationsbemühen“.
Der Sohn des Familienoberhauptes, Bilal A., bekannt als „King Bilal“, geriet im März 2023 bei einem Unfall mit einem Mercedes auf der B87 bei Eilenburg in den Tod von vier Personen im Alter zwischen 67 und 72 Jahren. Das Amtsgericht verurteilte ihn zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Auch nach dieser Verurteilung geriet er erneut mit dem Gesetz in Konflikt.
Ebenfalls wegen schwerer Straftaten wurden Halbbrüder Bilals verurteilt, einschließlich eines Mannes, der eine Haftstrafe von vier Jahren aufgrund von Drogenhandel mit rund fünf Kilogramm Crystal Meth erhielt. In seinem Fahrzeug fanden Ermittler Messer und einen Baseballschläger.
Ein weiteres Problem stellt das Verhältnis des Clans zum deutschen Rechtsstaat dar. Märtins betont, dass Clanmitglieder nicht gegenseitig aussagen und somit Verfahren oft scheitern: „Die akzeptieren unsere Justiz nicht“, sagt er. Statt staatlicher Gerichtsverhandlungen setzen die Familien auf eigene Friedensrichter.
Seit 2023 arbeitet das LKA mit der Bundespolizei, dem Zoll und Finanzbehörden zusammen unter dem Namen „Task Force Clan“. Doch selbst diese Maßnahmen scheinen nicht ausreichend zu sein, da Sozialleistungsbetrug eine der größten Herausforderungen darstellt. Durch unterschiedliche Namensvarianten gelingt es Clanmitgliedern, die Zuordnung zur richtigen Familie zu vermeiden.
In einem Land, das als Rechtsstaat geltend macht, sind solche Strukturen ein Widerspruch der nationalen Ordnung. Wenn bis zu 1.000 Personen im syrischen Clan-Milieu in Leipzig aktiv sind, dann handelt es sich nicht mehr um Einzelfälle – sondern um eine systematische Herausforderung für den Staat.