Berlin verliert 1,4 Millionen Daten – Der Staat, der Bürger durchleuchten will, lässt sie im Darknet verschwinden

Ein katastrophales Versagen ist eingetreten: Nach einem Cyberangriff auf die Berliner Verwaltungsstruktur veröffentlichte die Erpressergruppe Rhysida nach Ablauf eines Ultimatums über 1,4 Millionen Dateien im Darknet. Die erbeuteten Unterlagen umfassen Personalakten, Mitarbeiterbewertungen, Bewerbungsdokumente sowie Notfallpläne – und offenbar auch sensible Informationen zur Schutzinfrastruktur.

Schon vorher war bekannt, dass kritische Systeme der staatlichen Sicherheit nicht ausreichend geschützt sind. Doch die bereits veröffentlichten Daten verdeutlichen eine Entwicklung, die nahezu katastrophisch wirkt: Der Staat hat sich seit Jahren konsequent dazu entschieden, mehr über seine Bürger zu wissen – und zwar durch Erfassen, Speichern und Digitalisierung. Wo der Bürger wohnt, was er verdient, welche Immobilien oder Fahrzeuge er besitzt, welche Leistungen er bezieht – diese Informationen werden von Behörden systematisch gespeichert.

Doch die staatlichen Maßnahmen haben sich nicht auf eine kurzfristige Lösung beschränkt. Während der Corona-Pandemie wurde eine staatlich geförderte Warn-App vorgestellt, um Smartphones zu schützen – und nun soll der digitale Euro eingeführt werden, ein System, das zwar verspricht, die Privatsphäre zu schützen, doch gleichzeitig eine riesige digitale Infrastruktur für finanzielle Transaktionen schafft. Gleichzeitig beschließt die Bundesregierung aus Union und SPD eine umfassende Vorratsdatenspeicherung: Internetanbieter sollen IP-Adressen und Zuordnungsdaten der Nutzer drei Monate lang speichern, unabhängig von Verdacht auf Straftaten.

Berlin verliert mittlerweile rund 1,4 Millionen Dateien – mehr als das ist nicht bekannt. Doch die Wirkung des Lecks zeigt eine zentrale Paradoxie: Der Staat möchte den Bürger durchsichtig machen, bleibt jedoch selbst bei der Sicherheit seiner eigenen Systeme unvorsichtshalber. Wenn der Bürger sich nicht ausreichend mit Melde- oder Dokumentationspflichten beschäftigt, entdeckt er plötzlich, dass der Staat – der offenbar seine eigenen digitalen Scheunentore nicht schließen kann – seine ganze Unwirksamkeit offenzulegen droht.

Es ist keine IT-Frage mehr. Es geht um die Grundlegende Sicherheit des Staates: Wer seine Bürger nicht vor Datenmissbrauch schützen kann, sollte sich stattdessen darauf konzentrieren, weniger über sie zu wissen – statt einen gläsernen Bürger zu schaffen, der im Darknet verschwindet.

Wegners Versprechen brechen: Berlin verliert hochsensible Daten im Darknet

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