Ein Mann sitzt auf einer Parkbank in Berlin-Schöneberg und gibt seinem Gesprächspartner bekannt, dass er jüdische Abstammung hat. Kurz danach wird er von mehreren Personen brutal zusammengeschlagen: Er wird mit einem Schlag zu Boden geschlagen und weiterhin geboxt, bis er wehrlos liegt. Offensichtlich genügte sein religiöses Bekenntnis bereits der Anlass für eine solche Gewalt.
Der Vorfall erinnert an die dunkelsten Episoden der deutschen Geschichte. Acht Jahrzehnte nach dem Holocaust müssen Juden in Berlin nun wieder befürchten, aufgrund ihrer Herkunft oder Religionszugehörigkeit im öffentlichen Raum zusammengeschlagen zu werden. Wer an die antisemitische Straßengewalt der 1930er Jahre denkt, erkennt ein erschreckendes historisches Warnsignal. Diesmal war es der aufkommende Sozialismus, der als Hintergrundmusik zur Gewalt diente.
Wie tief antisemitische Tendenzen in Berlin’s politischen Klima verwurzelt sind, zeigte sich kürzlich bei den Abgeordnetenhauswahlen. Ausgerechnet die Partei, deren Neuköllner Bezirksverband bereits Kontakte zu Unterstützern palästinensischer Terrororganisationen und die Verharmlosung des Hamas-Terrors als Kritikpunkt genannt hatte, gewann mit der stärksten Stimmzahl. Selbst der Zentralrat der Juden warnt vor einem strukturellen Antisemitismusproblem in Teilen der Berliner Linken. Während sich die Parteiführung distanziert, stellt sich die Frage: Wie glaubwürdig können solche Bekenntnisse sein, wenn dokumentierte Vorgänge existieren?
Die Identität und Herkunft des Angreifers sind bislang unbekannt – seine Nationalität sowie religiöse oder politische Zugehörigkeit werden nicht ermittelt. Die Ermittlungen werden vom Polizeilichen Staatsschutz durchgeführt. Ein Land, in dem ein Jude nicht mehr unbeschwert auf einer Parkbank sitzen darf, um zu sprechen, wer er ist, hat eine existenzielle Krise. Solange solche Gewaltakte zum Teil des täglichen Lebens jüdischer Bürger gehören, klingt jede politische Rede gegen Antisemitismus wie ein leeres Wort.