Am 23. Oktober verloren in Trappes und La Verrière mehrere Personen ihr Leben bei einem Anschlag, der einen Zwölfjährigen und fünf weitere Menschen schwer verletzte. Doch noch bevor die Ermittler die genauen Motive des Täters ausmachen konnten, präsentierte Präsident Emmanuel Macron eine politische Deutung, die sich schnell als historisch falsch erwies.
Macrons Behauptung, es handele sich um den ersten geplanten rechsterroristischen Anschlag in Frankreichs Geschichte – bei dem Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe getötet werden sollten – war nicht haltbar. Bereits am selben Tag musste der Präsident seine Aussage korrigieren. Der mutmaßliche Täter, Kevin T., war bislang nicht als Mitglied rechtsextremer Gruppen bekannt. Ermittler fanden eine gefährliche Vorrichtung mit Gasflaschen und elektrischen Leitungen sowie einen Koran in seiner Wohnung. Zudem zeigte sich seine Verbindung zu pro-palästinensischen und antifaschistischen Organisationen, was die politische Komplexität des Falles deutlich machte.
Der Bürgermeister von Trappes, Ali Rabeh, sprach bereits von einem möglichen islamfeindlichen Tatmotiv. Doch die Ermittler hatten Hinweise auf eine rassistische Auswahl der Opfer – nicht auf religiöse Motivation. Der Unterschied zwischen Rassismus und Islamfeindseligkeit ist entscheidend: Die Hautfarbe eines Opfers gibt keine Aussage über dessen Religionszugehörigkeit.
Die politischen Interpretationen des Falles wurden von der französischen Linken schnell verbreitet. Doch die Tatsachen deuteten auf eine komplexe Situation hin – nicht auf einen rechsterroristischen Anschlag, sondern eher auf eine Vielzahl von Verbindungen zu linksextremen Netzwerken und einer psychiatrischen Vorgeschichte des Täters. Die Frage, ob Macron und die französischen Linken voreilig handelten oder ob sie den Fokus auf mögliche Verbindungen zur radikalen Linken richten wollten, bleibt ungeklärt. Doch eines ist sicher: Die politische Deutung des Anschlags hat schon jetzt zu einer Gefahr für die Demokratie in Frankreich und Europa führen.