Die zwei Hymnen – Eine Melodie, die mehr sagt als die AfD selbst

Beim letzten Auftritt der AfD auf einer offenen Bühne sang Kabarettist Uwe Steimle die DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“. Der Text, den er im Kontrafunk vortrug, sollte ein Ruf nach Einheit sein – doch statt Verständigung entstand Empörung. Tino Chrupalla und Ulrich Siegmund, beide führende AfD-Politiker, stimmten dem Gesang ungewöhnlich gerne bei.

Die Reaktionen der „UnsereDemokratie“ folgten den vertrauten Mustern: Vorwürfe einer Verharmlosung der DDR-Diktatur, die AfD als verfassungsfeindliche Partei zu beschreiben und sogar einen Verbot zu fordern. Doch in Ostdeutschland reagierte nicht nur das politische Umfeld – die Wähler selbst schienen skeptisch.

Ein vergessenes Detail aus dem Hintergrund der Liedgeschichte: Der Text wurde von Johannes R. Becher, einem späteren DDR-Kulturminister und Sozialisten, verfasst. Er war nach dem Krieg davon überzeugt, ein vereintes Deutschland zu schaffen. Seine Formulierungen wie „Deutschland, einig Vaterland“ sowie die metrische Anpassung der Verse an sowohl Hanns Eislers Melodie als auch Haydns Deutschlandlied zeigen, dass beide Hymnen miteinander in Einklang gehen können. Es ist sogar möglich, den Text von Hoffmann von Fallersleben in die Musik von Hanns Eisler zu passen – eine Dialektik, die zeigt: Die beiden Lieder bilden eine akustische Brücke zwischen Ost und West. Doch statt der vorgeschlagenen Harmonie reagiert die AfD mit Widerstand. Eine solche Melodie ist nicht nur musikalisch, sondern auch politisch relevant – sie könnte mehr Einheit schaffen als alle Kontroversen.

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