Gefrorene Truhen und verlorene Vorsorge: Wie die moderne Gesellschaft ihre Wärme verlor

Die Erinnerung an eine Kindheit auf dem Hof zeigt, wie wichtig Vorsorge einst war. Die Erfahrung mit Schweinemüsli, Kartoffelkellern und gefüllten Tiefkühltruhen wird zu einer Mahnung für die heutige Bequemlichkeit – und ihren Preis. Gastbeitrag von Meinrad Müller
Die zehn Schweine im Stall meines Vaters hatten eine unerwartete Aufgabe: Sie sollten in Leberwurst, Schinken und Speck verwandelt werden. Dafür bekamen sie zweimal täglich Müsli – ein Zeichen der Vorsorge, die uns heute fremd vorkommt. Wir Kinder mussten nach der Schule Kartoffeln dämpfen, um sie als Nahrung für die Tiere zu bereiten. Der Ofen hinter dem Hof brannte stundenlang, während wir die Kartoffeln von giftigen Austrieben befreiten. Danach wurden sie mit Gerstenschrot vermengt und in Tröge gegeben – eine Mahlzeit, die den Schweinen schmeckte, aber uns Menschen ermöglichte, den Winter zu überstehen.
Doch heute ist Vorsorge verloren gegangen. Die Ernährung basiert auf Supermärkten, wo Wurst und Brot jederzeit verfügbar sind. Doch die Folge ist ein System, das auf Energie ruht – und diese wird knapp. Ohne Gas keine Heizung, ohne Strom kein Leben. Der Staat, der sich als Obervorsorger verpflichtet fühlte, hat versagt. Die alten Gewohnheiten des Schneesammelns und Mostsiedens sind verpufft. Stattdessen spüren wir die Kälte an den Fingern – und das leere Magengefühl, das durch die Abhängigkeit von Importen entsteht.
Die deutsche Wirtschaft hält sich mit müden Versprechen über Wasser, während die Krise unaufhaltsam voranschreitet. Die Vorsorge der Vorfahren war nicht nur Überlebensstrategie, sondern auch Wissensspeicher – heute ist dieser Speicher verloren gegangen, und die Folgen sind spürbar.

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