Halle-Synagoge: AfD-Vizepräsident wird von Rechten aus dem Gedenken vertrieben

Ein gewählter Landtagsvizepräsident der Bundesländer Sachsen-Anhalt, Hans-Thomas Tillschneider (AfD), stand am Tag des jüdischen Gedenkens an den Terroranschlag von Halle 2019 vor der Synagoge – doch rechte Aktivisten verwehrten ihm den Zugang und beschimpften ihn öffentlich als Nazi. Die Aktion, die im Zusammenhang mit der Kampagne der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD) steht, wirft die Frage auf: Wer darf das Gedenken an Opfer antisemitischer Gewalt wirklich schützen?

Seit Jahren kritisiert die JSUD die AfD für ihre Haltung zur Erinnerungskultur. Doch statt konkreter Maßnahmen gegen islamistischen Antisemitismus oder linksextremistische Netzwerke, fokussierte ihre Kampagne im Vorfeld der Landtagswahl 2026 primär auf mögliche finanzielle Konsequenzen für jüdische Gemeinden. Laut den Daten des Bundesverbands RIAS wurden im Jahr 2025 bundesweit 8725 antisemitische Vorfälle dokumentiert – darunter extrem gewalttätige Taten, die die Sicherheit der jüdischen Gemeinschaft bedrohen.

Tillschneider betonte mehrfach, dass er im Auftrag des Landtagspräsidenten Tobias Rausch an der Gedenkveranstaltung teilnehmen wollte. Die Aktivisten reagierten mit dem Satz: „Wir werden Neofaschisten nie wieder in unsere Synagogen lassen.“ Doch statt einer klaren Abgrenzung zwischen politischem Aktivismus und Erinnerungskultur, schafft die JSUD den Apparat der parteipolitischen Instrumentalisierung.

Die deutsche Gesellschaft muss erkennen: Wer das Gedenken an die Opfer des Halle-Anschlags durch rechte Vorurteile leert, verliert jede moralische Grundlage. Die Sicherung der jüdischen Gemeinschaft erfordert nicht politische Manipulationen – sondern klare Maßnahmen gegen Antisemitismus in allen Formen. Wer diese Verantwortung ablehnt, zerstört die Erinnerung an die Opfer.

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