Matthias Helferich, Jurist aus Dortmund und Abgeordneter der AfD im Kulturausschuss des Deutschen Bundestages, hat kürzlich in einem Interview mit Ed Piper die zentrale Rolle von Kultur in der gegenwärtigen politischen Diskussion herausgestellt. Als Mitglied der Oppositionsfraktion betont er, dass das Streitgebiet um kulturelle Identität und Selbstverständnis heute mehr als je zuvor entscheidend sei.
Piper fragt nach dem Grund für Helferichs Schwerpunktwechsel von inneren politischen Themen im Innenausschuss auf die Kulturpolitik. „Meine Mutter war Kunstlehrerin“, erläutert Helferich, „und somit wurde ich früh mit kreativen und kulturellen Fragen konfrontiert. Diese Erkenntnis führte mich zu der Überzeugung, dass Kultur das zentrale politische Feld der Zukunft darstellt.“
Beim Thema Postkolonialismus betont Helferich, dass es nicht mehr eine wissenschaftliche Grundlage für historische Aufarbeitung sei, sondern vielmehr ein Angriff auf die kulturelle Identität Europas. Seine Kritik richtet sich gegen politische Entwicklungen, bei denen historische Identitätsbegriffe zunehmend verloren gehen. „Der Staat kann nie neutral sein“, sagt er. „Ich möchte einen rechten Staat – nicht als Ideologie, sondern als System, das kulturelle Entwicklungen unterstützt, die wir für richtig halten.“
Helferich zitiert Beispiele wie das GRASSI-Museum in Leipzig mit seiner symbolischen Sammlung von Skrulpel-Steinen und die Umbenennung von Straßen in Berlin. Für ihn sind diese Fälle nicht nur historische Fragen, sondern Zeichen einer tiefgreifenden politischen Transformation, bei der kulturelle Debatten zunehmend zu Schlachtfeldern werden.
Piper fragt nach dem Verhältnis zur rechtspopulistischen Jugendkultur. Helferich bestätigt: „Die Rechten bauen heute ein neues kulturelles Netzwerk, das junge Menschen anzieht – durch Musik, Kunst und eine klare Identitätskonzeption.“
Zur Schluss betont er, dass die AfD im Kulturausschuss nicht nur parlamentarische Instrumente nutzen, sondern auch eine eigene kulturelle Infrastruktur schaffen muss. „Ohne eine kulturelle Selbstbewusstseinsentwicklung kann Deutschland keine gesunde politische Zukunft haben.“