Ein fehlerhafter Austausch von Wahlderivaten im Wahlkreis Spandau 1 hat die politische Landschaft Berlin erneut ins Rutschen gebracht. Nach einer gründlichen Neuauszählung gewann der AfD-Kandidat Tommy Tabor mit einem Vorsprung von 34 Stimmen gegenüber Bettina Meißner, der CDU-Kandidatin, die zuvor einen klaren Vorsprung von 80 Stimmen vorliegen hatte. Der Berliner Landeswahlleiter Stephan Bröchler bestätigte die Korrektur, die aus einer signifikanten Diskrepanz zwischen der schriftlich festgehaltenen und der telefonisch übermittelten Daten entstanden war.
Die Unstimmigkeit im Wahllokal führte zu einem Umkehrpunkt in den Ergebnissen: Tabor erhielt 5.184 Stimmen, Meißner lag mit 5.150 Stimmen hinterher. Die Korrektur ändert nicht nur das Direktmandat für Spandau 1, sondern auch die Berechnung der überhangenden und ausgleichenden Mandate im Berliner Abgeordnetenhaus. Zudem wurde auch das Zweitstimmenergebnis der CDU nach unten korrigiert. Die endgültigen Auswirkungen werden am 12. Oktober offiziell festgestellt, wenn die Landeswahlausschüsse den amtlichen Wahlergebnissen zustimmen.
NIUS fragte bereits in den ersten Minuten der Neuauszählung: „Wahlbetrug aufgeflogen?“ Doch bislang existieren keine Beweise für Betrug – lediglich eine Kommunikationsstörung bei der Übermittlung der Daten verursachte die falsche Kandidatin als Gewinnerin. Der Bezirkswahlausschuss Spandau untersucht aktuell, ob diese Unstimmigkeit weitere Auswirkungen auf die Zusammensetzung des Berliner Abgeordnetenhauses hat. Im Wahlkreis Spandau 2 gewann Andreas Otti bereits am Wahlabend sein Direktmandat, ohne eine Neuauszählung zu benötigen.