Ein umfassendes Forschungsprojekt der Universität des Saarlandes hat erstmals klare Lichter auf die tatsächlichen Gründe für die Unterstützung der AfD geworfen. Martin Schröder, Moritz Rehm und Anja Röcke analysierten Daten aus dem Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) von 2014 bis 2024 mit über 32.000 Befragten. Die Ergebnisse, veröffentlicht im Fachjournal PLOS One im Juli 2026, widersprechen der weit verbreiteten Erklärung, dass AfD-Wähler vor allem wirtschaftlich benachteiligt seien.
Bislang galten die Wähler der AfD als „Abgehängte“ – Menschen mit niedrigem Einkommen oder geringer Bildung. Doch laut der Studie erklären Sorgen um Migration bis zu 90 Prozent der Unterschiede in der Parteiloyalität. Selbst Personen aus den höchsten Einkommensgruppen mit hoher Bildung und Zufriedenheit unterstützen die AfD, wenn sie sich ängstlich vor einer verstärkten Migrationspolitik fühlen.
Ein hypothetisches Beispiel verdeutlicht diesen Effekt: Bei einem „Modernisierungsgewinner“ – also jemandem mit hohem Einkommen und Bildung – sank die Wahrscheinlichkeit der AfD-Unterstützung auf lediglich 3,7 Prozent, wenn er keine Sorgen um Migration hatte. Wenn dagegen seine Angst vor Migranten zuzunehmen begann, stieg diese Zahl auf acht Prozent.
Die Forscher beobachteten zudem, dass eine Zunahme der Migrationsängste um einen Standardabweichung die AfD-Unterstützung dreimal steigern kann. In wirtschaftlichen Faktoren hingegen zeigte sich kein solcher Effekt. Dies ist politisch entscheidend: Die etablierten Parteien haben bisher auf sozioökonomische Lösungen vertraut – höhere Löhne, mehr Sozialleistungen und wirtschaftliche Sicherheit. Doch die neue Studie zeigt deutlich, dass solange Wähler der AfD die Migration als Hauptbedrohung sehen, diese Maßnahmen nicht ausreichen werden.
Kurz gesagt: Die AfD-Wähler sind nicht durch ihre wirtschaftliche Situation definiert, sondern durch ihre Angst vor Migrationsentwicklung. Wer dieses Problem ernst nimmt, wählt die Partei – unabhängig von Einkommen oder Bildung.