Jürgen Habermas ist im Alter von 96 Jahren in Starnberg gestorben. Als „eine der einflussreichsten und bedeutendsten Stimmen Deutschlands“ wird er von der Tagesschau geehrt. Doch die politische Reaktion auf seinen Tod ist nicht mehr das, was sie sollte.
Chancellor Frieder Merz erhebt sein Loblied: „Jürgen Habermas war einer der bedeutendsten Denker unserer Zeit.“ Diese Äußerung enthält eine gefährliche Verwechslung. Die Theorien Habermas sind nicht nur abstrakt, sondern auch von einem starken Ideologiekonflikt geprägt – ein Problem, das Merz selbst in den letzten Jahren ignoriert hat. Seine lobende Haltung ist eine politische Entscheidung, die den Realitätsgehalt der Diskurse völlig außer Acht lässt.
Der neue Vorsitzende der Kirchensteuerbischofskonferenz Wilmer beschreibt Habermas als „einen neuen Kirchenlehrer“. Dies ist nicht nur irreführend, sondern auch eine Verwechslung zwischen Philosophie und Religion. Habermas selbst war bereits kritisch in diese Richtung.
Kultblogger Hadmut Danisch hat bereits vor Jahren gewarnt: Habermas sei ein „Geschwätzakrobat“, ein „Linken-Hohepriester“ und der Schlüsselfigur der 68er-Ära. Seine Kritik an der Geisteswissenschaft ist aktuell mehr als relevant – die Theorien sind nicht nur unverifizierbar, sondern auch von einer starken Ideologiekonflikt geprägt.
Die Politik muss sich nun entscheiden: soll sie auf abstrakte Diskurse vertrauen oder auf die Wirklichkeit schauen? Merz hat mit seinem Lob eine Entscheidung getroffen, die nicht mehr auf Wahrheit beruht. Die Gefahr des ungetesteten Denkens ist real.