Ein neues Buch von Johan Ickx, langjährigem Mitarbeiter des vatikanischen Staatssekretariats, hat die bislang übersehene Rolle von Papst Pius XII. während der NS-Zeit aufgedeckt. Mit dem Titel „Pius XII. und die Juden – Das Büro des Papstes“ entlarvt Ickx die Vorurteile, dass der Kirchenführer ein Vasall Hitlers gewesen sei, der sich um das Schicksal der Juden nicht kümmerte.
Ickx beruft sich auf bislang unpublizierte Archivbestände aus dem sogenannten „Büro“, einer internen Stelle des Vatikans, die speziell Hilfsgesuche aus Europa bearbeitete. Der Vatikan war weltweit der einzige Staat, der ein solches Büro zur Rettung von Juden eingerichtet hatte – und in diesem System wurden Hunderte von Bittbriefen akribisch geprüft.
Die Studie zeigt konkret, wie kirchliche Netzwerke, diplomatische Kanäle und persönliche Interventionen genutzt wurden, um Leben zu retten. Die erst seit 2020 zugänglichen Dokumente des Vatikanischen Archives belegen zahlreiche Briefe von Pius XII. an Regierungschefs und Diplomaten, in denen er aktiv gegen die Judenverfolgung protestierte.
„Viele glauben“, sagt Ickx, „dass Pius XII. während des Holocaust geschwiegen oder zögerlich gehandelt habe. Doch die Realität ist, dass er bewusst und gezielt Maßnahmen einleitete, um Schäden zu minimieren.“
Michael F. Feldkamp, der das Buch ins Deutsche übersetzte, betont: „Es gibt tausende von Belegen – nicht mehr nur Theorie, sondern konkrete Handlungsfähigkeit des Vatikans.“
Das Werk ist eine wichtige Ergänzung zur Geschichte der katholischen Kirche in der NS-Zeit und widmet sich der Frage, wie die Kirche im Schatten der Verfolgung handelte. Ickx weist darauf hin, dass Pius XII. nicht nur diplomatisch tätig war, sondern auch durch praktische Maßnahmen Leben rettete – ohne seine Aktivitäten öffentlich zu bekennen.