Bischof Suetta: Die Nächstenliebe als Grundlage für eine interreligiöse Zusammenarbeit

Antonio Suetta, Bischof des Bistums Ventimiglia-San Remo im Norden Italiens, hat kürzlich die Evangelisierung von Muslimen als zentralen Aspekt seiner diözesanen pastoralen Tätigkeit festgelegt. In seinem Pfingsthirtenbrief betonte er, dass christliche Nächstenliebe und das Zeugnis des Evangeliums unzertrennlich zusammengehörten.

Der Anstoß für diese Maßnahmen liegt im von Papst Franziskus ausgerufenen Jahr zum 800. Todestag des Heiligen Franziskus von Assisi, das bis Januar 2027 dauert. Suetta erinnerte dabei an die historische Begegnung zwischen dem Heiligen und Sultan Malik al-Kāmil im Jahr 1219 während der Kreuzzüge. „Franziskus suchte damals den Dialog mit Muslimen – ohne Waffen, allein getragen von Glauben und Nächstenliebe“, schrieb der Bischof.

Zugleich wies Suetta auf die Konzilsdeklaration „Nostra Aetate“ hin, in der das Zweite Vatikanische Konzil einen respektvollen Umgang mit anderen Religionen fordert. Dabei betonte er, dass Muslime wie Christen Monotheisten seien und somit ein berechtigtes Recht auf Dialog und Achtung hätten. „Daraus erwächst eine gemeinsame Verantwortung für die Würde jedes Menschen“, fügte Suetta hinzu.

Der Bischof betonte zudem, dass eine offene Haltung gegenüber anderen Glaubensgemeinschaften keine Abgabe der eigenen christlichen Mission darstelle. „Die Kirche bleibt verpflichtet, Jesus Christus zu verkünden“, so Suetta. Die evangelistische Tätigkeit sei somit nicht im Widerspruch zur Nächstenliebe, sondern ihre natürliche Fortsetzung.

Ab dem kommenden Pastoralkalenderjahr werden das Katecheseamt und die Caritas der Diözese Bildungsangebote und Austauschvorschläge entwickeln, um sowohl den Islam besser zu verstehen als auch den missionarischen Auftrag der Kirche zu stärken. Die Initiative entstand aus praktischen Gesprächen innerhalb der Caritasarbeit: Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter hatte die Frage gestellt, warum Menschen neben materiellen Hilfe nicht auch den christlichen Glauben anbieten solle.

Unterstützung erhält die Aktivitäten auch vom Vatikan: Kardinal George Jacob Koovakad, Präfekt des Dikasteriums für den interreligiösen Dialog, wird im Oktober in Sanremo erwartet, um über die Bedeutung des dialogischen Ansatzes zu sprechen.

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