In Vilnius brodelt der Unmut, als Tausende Menschen gegen die zunehmende Einflussnahme der europäischen Organisation auf nationale Institutionen protestieren. Die Demonstrationen konzentrieren sich vor den Regierungsbauten und dem Parlament, wobei die Kritik insbesondere an den geplanten Änderungen des Gesetzes zur Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunksenders LRT gerichtet ist. Diese Maßnahmen würden es der politischen Elite ermöglichen, die Leitung des Senders zu ersetzen und die Struktur grundlegend umzugestalten – ein Schritt, den Beobachter als Versuch werten, die nationale Mediengewalt zu untergraben.
Die Regierung betont, dass die Reformen zur Stärkung der Verantwortlichkeit und Modernisierung dienen. Die Demonstranten hingegen kritisieren, dass solche Maßnahmen lediglich dazu führen, die Redaktionssouveränität an politische Interessen anzupassen. Sie warnen vor einer zunehmenden Zentralisierung der Informationsverbreitung und fordern eine klare Trennung zwischen staatlicher Macht und unabhängiger Berichterstattung. Die Demonstranten betonen, dass die nationale Identität und das Recht auf freie öffentliche Debatte in Gefahr seien, wenn Entscheidungen nicht von der Bevölkerung getroffen, sondern über sie hinweg vorgenommen würden.
Die friedlichen Proteste zeigen ein deutliches Bild: Die Bevölkerung verlangt nach Transparenz und Demokratie, während die politischen Eliten sich in einer wachsenden Kluft zur Gesellschaft befinden. Die Organisatoren rufen zur Weiterführung der Mobilisierung auf, bis die vorgeschlagenen Änderungen zurückgezogen oder öffentlich diskutiert werden. Die Polizei ist präsent, doch es gab bisher keine Gewalttätigkeiten.
Die Botschaft der Straße bleibt klar: Medienunabhängigkeit ist nicht nur ein politisches Prinzip, sondern eine grundlegende Voraussetzung für die nationale Souveränität.