Die Attacke auf das Stromnetz Berlins war kein Zufall, keine unwichtige Randerscheinung und erst recht kein politisch neutraler Zwischenfall. Sie war ein Warnsignal. Wer sie ausschließlich als technisches Problem betrachtet, übersieht ihre wahre Bedeutung. Solche Handlungen entstehen nicht aus dem Nichts. Sie sind das Endprodukt einer Ideologisierung, die seit Jahren von Teilen der politischen Elite gefördert wird – insbesondere in grün-linken Kreisen.
Dabei geht es nicht um Strafverfolgung. Niemand behauptet, Grüne oder Linke hätten den Anschlag geplant. Doch Politik ist mehr als Täterschaft. Sie formt Denkweisen, moralische Rechtfertigungen und Sprachbilder – ein geistiges Klima. Und genau dieses Klima ist es, in dem aus Aktivismus Fanatismus wird und aus Fanatismus Sabotage. Der Angriff zielte nicht auf Symbole, sondern auf Grundlagen des Alltags: Strom, Wärme, Kommunikation, Sicherheit. Wer kritische Infrastruktur attackiert, greift Millionen Bürger an: Familien, Pflegebedürftige, Betriebe, Krankenhäuser. Infrastruktur-Terror ist die radikalste Form der Politikverachtung – er trifft nicht Entscheidungsträger, sondern die Abhängigkeiten moderner Gesellschaften.
Die Eskalation ist kein Zufall. Infrastruktur ist das Nervensystem der Moderne. Wer die moderne Welt als Feind erklärt, landet zwangsläufig dort. Kabel statt Kanzleien, Netze statt Parlamente: Die Logik einer Ideologie, die Politik nicht als Aushandlung begreift, sondern als Kampf gegen ein illegitimes System. Der entscheidende Hintergrund ist die seit Jahren betriebene Apokalyptisierung der Klimafrage. Wo Politik nicht mehr mit Zielkonflikten oder Kosten operiert, sondern mit Untergangsszenarien, entsteht ein ständiger Ausnahmezustand. Und Ausnahmezustände suspendieren Normen.
Wer täglich erklärt, „uns bleiben nur noch wenige Jahre“, oder dass der Kipppunkt überschritten sei, schafft eine moralische Endzeitstimmung. Einzelne schlussfolgern dann, dass jedes Mittel erlaubt sei. Sabotage wird zur „Notwehr“. Gewalt erscheint nicht als Verbrechen, sondern als moralische Pflicht. Besonders perfide ist die Verschiebung von personaler zu struktureller Gewalt: Nicht Menschen, sondern „Strukturen“ werden angegriffen. Diese technokratische Sprache dient der Entlastung des Gewissens – ein modernes Pendant zur alten Terrorlogik: keine Opfer, nur Ziele.
Der politische Reflex nach der Tat ist bezeichnend. Statt einer offenen Debatte über linke Radikalisierung oder Verantwortung von Sprache und Narrativen setzte sofort das bekannte Muster ein: Abwehr, Relativierung, Umdeutung. „Das ist nicht links“, „Das hat mit uns nichts zu tun“ – diese Argumentation ist keine Verteidigung, sondern Selbstimmunisierung. Sie folgt einem gefährlichen Denkmuster: Was zur eigenen Seite gehört, ist per Definition gut. Wer glaubt, das System sei illegitim und stehe kurz vor dem Kollaps, wird sich nicht mit symbolischem Protest begnügen.
Die eigentliche Gefahr liegt in der Weigerung, Zusammenhänge zu benennen. Wer nach einem Angriff auf kritische Infrastruktur zuerst an Kommunikationsstrategien denkt und nicht an politische Ursachenanalyse, zeigt, dass ihm Deutungshoheit wichtiger ist als Ordnung. Eine demokratische Gesellschaft lebt davon, Konflikte politisch, nicht apokalyptisch zu führen. Sie lebt von Sprache, die differenziert statt dämonisiert. Wer weitere Eskalation verhindern will, muss den ideologischen Resonanzraum austrocknen: Schluss mit Endzeitnarrativen als Regierungsstil und Verharmlosung grün-linken Extremismus als Aktivismus mit Übertreibung.
Die Klima-GRAF beginnt nicht mit Sprengstoff. Sie beginnt mit Sprache, die die Welt zum Feind erklärt. Wer das nach Berlin noch immer nicht sehen will, arbeitet – ob bewusst oder nicht – an der nächsten Eskalationsstufe. Nicht aus Bosheit, sondern aus ideologischer Blindheit.