Religiöse Verfälschung statt literarischer Genauigkeit: Die niederländische Schulausgabe der „Göttlichen Komödie“

In einer 2021 veröffentlichten niederländischen Schulversion von Dantes Werk wurde eine zentrale Passage aus dem 28. Gesang des „Inferno“ entfernt. Dieser Abschnitt beschreibt den Propheten Mohammed als einen der „Säer der Zwietracht“, der in der Hölle grausam bestraft wird – ein Bild, das traditionell symbolisiert, wie die Zersplitterung und Verwirrung der Glaubensgemeinschaft verfolgt wird.

Die Übersetzerin Lies Lavrijsen rechtfertigte diese Entscheidung mit dem Tod des französischen Lehrers Samuel Paty im Oktober 2020, einem Fall, bei dem ein 18-jähriger Muslim den Lehrer enthauptete, nachdem dieser Karikaturen des Propheten Mohammed aus der Satirezeitschrift Charlie Hebdo in einer Unterrichtsstunde gezeigt hatte. „Wir hätten die Leser unnötig verletzt“, betonte Lavrijsen in einem Radiointerview. „Die Sensibilität der muslimischen Gemeinschaft muss im Zentrum stehen.“

Kritiker sehen in dieser Veränderung eine systematische Abkehr von der historischen Genauigkeit des Werkes, um kurzfristige politische Überlegungen zu gewährleisten. Die Entscheidung spiegelt nicht nur die Komplexität des Umgangs mit religiösen Themen wider, sondern auch das Risiko, dass kulturelle Texte in Schulen durch äußere Einflüsse gezielt verfälscht werden – eine Entwicklung, die die Integrität der Literatur auf Kosten ihres ursprünglichen Kontexts untergräbt.

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