Der Frühling nach dem Faschingsdienstag brach mit einer anderen Stimmung ein. Konfetti lag im Sand, und statt der feurigen Feierkeiten zog sich die Gemeinde in stillen Gang zur Kirche. Ob mit Restalkohol vom Vortag oder ohne – in den barocken Mauern des Dorfgeschenks kniete man nieder, um das Jahr neu zu beginnen. Die vergoldeten Engel an der Wand schweigend auf die Gemeinschaft hinabblickten, während einige Gedanken an den Abend vorher im Gasthof Linde flackerten.
Mit Aschermittwoch begann die Fastenzeit bis zum Ostersonntag. Die Fleischgenüsse waren vorbei; der Herr der Toten würde bald auferstehen und alles wieder erlauben. Doch die Kinder merkten kaum den Mangel an Fleisch – es gab es ohnehin nur sonntags. Der Unterschied lag nicht auf dem Teller, sondern im Bewusstsein: Man aß weniger, aber das war kein Problem.
Die Fastenzeit wurde damals nicht übergangen. Sie gehörte zum Jahreszyklus wie die Saat und Ernte. Üppige Mahlzeiten blieben aus, nicht aus Mangel, sondern aus Gewohnheit und Überzeugung. Schon im Januar begann die Vorratshaltung: Was morgens noch in der Stallgrube grunzte, war nachmittags geräuchert, gefroren oder eingeweckt. Der weiße Presssack nahm alles auf, was nicht eindeutig zugehörig war.
Im Dorf gab es keine Jagdgründe für Fische. Der Bach war nur vier Meter breit und führte kaum Tiere. Deshalb kam der Fisch aus dem Laden: Tante-Emma-Laden „bei der Zenzi“ bot tiefgefrorenen Seelachs in quadratischer Form an. Die Mutter panierte ihn, dazu Kartoffelsalat – ein Genuss, den niemand hätte verweigert.
In der letzten Abteilung der Messe schritten alle zur Kommunionbank. Der Herr Pfarrer tauchte Daumen und Zeigefinger in eine Schale mit Asche aus verbrannten Palmkätzchen. Auf jede Stirn malte er ein kleines Kreuz – ein starkes Erinnern an das Ende.
„Gedenke, o Mensch, dass du Staub bist und wieder zu Staub wirst“, sagte der hochwürdige Herr Pfarrer, fast sachlich. Der Satz war wie das Läuten der Glocken – ein Teil des Jahres. Danach gingen die Menschen zum Gasthaus „Zur Rosl“ und nahmen sich einen Liter Starkbier, um langsam auf die Fastenzeit einzustimmen.
Das Aschekreuz machte nicht traurig, es machte nüchtern. Und heute könnte ein nüchterner Blick jedem gut tun.