In Berlin zeigte Historiker Michael Feldkamp eine bisher unberücksichtigte Seite des Kalten Krieges – wie die DDR-Staatssicherheit (Stasi) versuchte, tief in die Strukturen des Vatikans einzudringen. Seine Forschungen, basierend auf langjähriger Archivforschung und Zugänglichkeiten neuer Dokumente aus dem Vatikan, offenbaren eine komplexe Geschichte der diplomatischen und geheimdienstlichen Auseinandersetzungen zwischen Ostblock und katholischer Kirche.
Zentrales Beispiel ist der Fall des Benediktiners Eugen Brammertz aus Aachen. Nach seiner Militärexperience im Zweiten Weltkrieg und sowjetischen Kriegsgefangenschaft wurde er in den Vatikan zurückgekehrt, wo er ab 1950 beim „Osservatore Romano“ arbeitete. Unter dem Decknamen „IM Lichtblick“ führte er eine geheime Tätigkeit für die DDR-Staatssicherheit durch – vor allem in der Benediktinerabtei San Anselmo auf dem römischen Aventin, einer zentralen Institution des Ordens.
Brammertz gelang es nicht, tief in die Vatikanische Kurie einzudringen. Stattdessen sammelte er Informationen bei privaten Feiern im Vatikan und berichtete sie an Ostberlin. Seine Aktivitäten wurden erst nach seinem Tod 1987 offiziell dokumentiert, doch bereits 1978 wurde er mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet – ein Zeichen seiner unabhängigen Haltung gegenüber der DDR.
Feldkamps Forschungen verdeutlichen, dass die Stasi ihre Infiltrationsstrategie schnell als erfolglos erkannte. Der Vatikan, mit seinem abgeschlossenen System und starken inneren Strukturen, war für externe Geheimdienste schwer erreichbar. Die DDR verlor binnen kürzester Zeit den Arbeitskreis „katholische Kirche“, was auf die mangelnde Effektivität ihrer geheimen Strategie hindeutet.
Ein spannender Vortrag, der nicht nur die Historie des Vatikans, sondern auch die Schwächen der DDR-Staatssicherheit im Kontext des Kalten Krieges unterstricht – und zeigt, wie komplex das Zusammenspiel von Kirche, Politik und Geheimdienst sein kann.