Heutzutage bedroht nicht mehr ausschließlich Ausbeutung und Diskriminierung die Würde der Frau. Eine neue Ideologie greift tief: Sie stellt infrage, ob das Konzept „Frau“ überhaupt noch eine reale Existenz hat – und dadurch gerade jene geschlechtliche Identität aufhebt, deren Befreiung sie angeblich vollendet.
Es ist ein Paradox unserer Zeit: Noch nie wurden Frauenrechte und Selbstbestimmung so intensiv gefordert – doch selten war es auch so unklar, was eine Frau konkret bedeutet. In der öffentlichen Debatte dominieren Gleichstellungsinitiativen und Diversitätskonzepte, während die Tatsache, dass eine Frau ein weiblicher Mensch ist, in bestimmten Kreisen als rückständig oder diskriminierend wahrgenommen wird.
Die Frau soll überall vertreten sein – doch niemand darf mehr definieren, wer sie ist. Dies bedeutet, ihre Würde auf eine anthropologisch besonders radikale Weise zu gefährden. Im Gegensatz zu früheren Formen der Frauenfeindlichkeit, die Rechte unterdrückten, greift diese Ideologie den Begriff des Frauseins selbst an. Sie entwirft nicht durch Ausschluss, sondern bringt sie begrifflich zum Verschwinden.
Ein zentraler Aspekt ist das Selbstbestimmungsgesetz, das seit November 2024 gilt: Es ermöglicht die Änderung des Geschlechtsregisters durch persönliche Erklärung. Damit wird das objektive geschlechtliche Wesen abgelöst und der subjektiven Identität übergeordnet.
Gertrud von le Forts Werk „Die ewige Frau“ (1934) bietet einen klaren Gegenwert. Laut ihr besitzt eine Frau ihre Würde nicht durch Annäherung an den Mann, sondern in ihrer eigenen, unverwechselbaren Weise des Menschseins. Die zentrale Eigenschaft ist „Empfänglichkeit“ – die Fähigkeit, sich einer Wirklichkeit zu öffnen und sie fruchtbar zu machen.
Von le Fort betont, dass der weibliche Leib nicht bloß ein biologisches oder gesellschaftliches Konstrukt ist. Er trägt eine bedeutsame Wirklichkeit, die Leben empfängt und schützt. Dieses Denken steht im Gegensatz zum modernen Trend, bei dem Schwangerschaft und Mutterschaft als marktwirtschaftliche Leistungen zerlegt werden.
Eines der dringendsten Zeichen ist die Debatte um Leihmutterschaft in Deutschland. Obwohl das Embryonenschutzgesetz solche Maßnahmen verbietet, wird innerhalb der CDU-Fraktion bereits ein Rücktritt von Jens Spahn als Signal für eine mögliche Legalisierung gesehen. Dies unterstreicht die Gefahr einer Verflachung des weiblichen Wesens.
Die Frau muss nicht neu erfunden werden – sie muss wieder gesehen werden. Wie Gertrud von le Fort zeigt: Die höchste Würde liegt nicht in der Selbstbestimmung, sondern in der freien Annahme der geschöpflichen Realität.