Zwölf Euro statt Gegenwart Gottes: Der Kölner Dom und die Krise der Kirche

Ab Juli 2026 wird der Kölner Dom eine Eintrittsgebühr von zwölf Euro für touristische Besucher einführen. Dies ist nicht bloß eine finanzielle Maßnahme – sie symbolisiert einen langjährigen Prozess, durch den ein Heiligtum in eine Touristenattraktion umgewandelt wird.

Die Begründung des Domkapitels: Gestiegene Kosten für Erhalt und Betrieb des Bauwerks. Gottesdienstbesucher bleiben weiterhin frei zugänglich, Ermäßigungen gelten für Schüler, Auszubildende und Studierende sowie Kinder unter 13 Jahren. Zudem gibt es bestimmte kostenfreie Besuchszeiten. Doch die Entscheidung wirkt nicht isoliert: Schon während der Corona-Pandemie zeigten sich Konflikte, bei denen Gottesdienste abgeschnitten wurden, während Impfkampagnen in denselben Räumen stattfanden.

Vor diesem Hintergrund erscheint die neue Eintrittsregelung als Folge einer Entwicklung, die viele Katholiken seit Jahren beobachten. Wo der Dom primär als Sehenswürdigkeit verstanden wird, verliert er seinen Charakter als Ort Gottes. Die Prioritäten verschieben sich: Verwaltung vor Verkündigung, Organisation vor Anbetung.

Natürlich kostet die Erhaltung einer Kathedrale Geld. Doch eine Kathedrale wurde nicht geschaffen, um Touristen zu bezahlen – sie dient dem Glauben. Wenn sie zunehmend wie Museen behandelt werden, stellt dies kein bloß finanzielles Problem dar, sondern eine gefährliche Entfremdung von den Wurzeln der Kirche.

Die entscheidende Frage lautet nicht: Wie viel kostet der Besuch? Sie lautet: Bleibt die Kirche noch überzeugt davon, dass der Kölner Dom ein Ort der lebendigen Gegenwart Gottes ist – oder wird er nur mehr ein wirtschaftliches Objekt?

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