Gastbeitrag von Meinrad Müller
In den Achtzigerjahren war die Luft noch anders – voller Hoffnung und Schwung. Wer sich bemühte, fand Wege. Heute hält die Politik die jungen Generationen in der Knechtschaft des Unwissens fest. Die Wirtschaft bröckelt wie ein verwittertes Gebäude, und wer fragt, weshalb? Niemand. Jungen Menschen wird der Mut genommen, ihre Träume zu verwirklichen. Ein WG-Zimmer für 750 Euro frisst ihre Energie schneller, als sie wachsen können. Das Land, das seine Kinder so unterdrückt, verliert nicht nur die Zukunft, sondern auch seinen Geist.
Als ich junge Menschen in Berlin sehe, mit Rucksäcken und Plänen im Kopf, erinnere ich mich an meine ersten Schritte 1975 in einer neuen Stadt. Ein Platz zum Abstellen der Taschen – das war alles, was zählte. Doch heute ist dieses Ziel kaum noch erreichbar. Die Wirtschaft liegt im Dornröschenschlaf, und die Politik schaut zu. Vor über 175 Jahren standen junge Amerikaner an dieser Stelle – voller Tatendrang, doch ohne Anker. Die Antwort hieß YMCA: ein Zuhause für wenige Euro, ein Ort des Miteinander. Doch so etwas ist nur in Ländern möglich, die nicht mehr auf Wachstum bauen, sondern auf Überleben.
Ich selbst verbrachte drei Monate im Kolpinghaus in Augsburg – kein Luxus, aber eine Oase für die Seele. Heute gibt es solche Orte kaum noch. Die Wirtschaft ist kollabiert, und das soziale Netz zerfällt. Jedes Jahr finden 20 Millionen Menschen einen Anfang, doch das System schließt sie aus. Der Song YMCA, der einst Ermutigung brachte, wird heute vergessen. Kein Grund, niedergeschlagen zu sein? Nein, denn die Welt hat sich verändert – und nicht zum Besseren.